Diskus - Retter in der Not
Was tun, wenn die Festplatte streikt
Diskus, Allrounder in Sachen Datenträger
Der Alptraum eines jeden Festplattenbesitzers ist es wohl,
daß er im Direktory seiner Fesplatten nur noch wirre Zeichen
stehen hat (@@$§/&%.!^ß) und das seine Files auf einmal
mehrere GigaByte groß sind (Welch wundersame
Festplattenvermehrung !). Betroffene können darüber nicht
lachen !. Wenn dies mit einer Diskette passiert, sind nur 720kB zum
Teufel, aber bei einer Festplatte !! Was nun ?? Backup !? (Was ist das
?, Kenn ich nicht !, Nie davon gehört !). Ist nun alles zu
spät? Nicht unbedingt! Für solche Fälle gibt es
sezielle Festplattenutilities. All diese Programme können kein
Backup ersetzen, aber sie können in Notfällen helfen. Eines
dieser "Notärzte für Fesplatten" wollen wir hier
näher betrachen: DISKUS (runde Wurfscheibe aus Griechenland sie
dreht sich im Flug!). Das Programm, daß uns hier in der Version
3.2 vorliegt, kann alle Speichermedien von der Diskette bis zur
Wechselplatte unter die Lupe nehmen und bearbeiten. Beim Auspacken des
Programms fällt uns sofort das 300 Seiten dicke Handbuch ins
Auge. Ein erster Blick ins Inhaltsverzeichnis klärt das
Erstaunen. Die ersten 170 Seiten des Handbuchs beschreibt das
eigentliche Programm und die Zusatzprogramme (Festplattentreiber usw.)
und die anderen 130 Seiten Dokumentation geben einen Einblick in die
Welt der Disketten und Festplatten. Das macht auch einen Sinn. Wie
wollen wir unsere Daten retten, wenn wir nicht wissen wie das ganze
funktioniert und aufgebaut ist ? Alle Funktionen des Programms zu
beschreiben, würde nicht nur den Rahmen dieses Artikels sprengen,
sondern sogar dieses Heftes. Diskus behauptet sich schon seit 1989 auf
dem Markt und ist immer wieder verbessert und an die Hardware neuer
Rechner angepaßt worden. Die neue Version zieht sogar speziellen
Nutzen aus den Fähigkeiten von MultiTOS und Mag!C. Aus diesem
Grund werden viel Funktionen einfach nur aufgezählen und erst bei
wichtigen Punkten tiefer in die Materie eingestiegen.
DAS DESKTOP
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Das erste, was wir nach dem Starten von Diskus zu sehen bekommen, sind zwei Fenster und die Menüzeile. Bei dem oberen Fenster handelt es sich um das Datenfenster und bei dem unteren um das Menüfenster. Im Datenfenster werden die gelesenen Daten dargestellt. Dabei kann es sich um Sektoren,Tracks,Cluster oder die FAT handeln. In diesem Fenster kann man Manipulationen der Daten vornehmen. Hierzu stehen Blockoperationen zur Verfügung, wie laden, speichern, löschen, füllen usw. Im Menüfenster können wir zuerst einmal das Laufwerk wählen und dann die davon gewünschen Daten. Hierzu stehen eine Vielzahl von Knöpfen bereit, wie Bootsektor, FAT1, FAT2 und Directory. Zudem ist es möglich, den logischen bzw. physikalischen Cluster, den Sektor oder auch den Track auszuwählen. Des weiteren kann ein physikalischer Festplattenzugriff vorgenommen werden. Der Knopf "Cluster belegt" gibt uns die Möglichkeit einen Cluster zu analysieren und zu verändern. In einer Dialogbox erhalten wir den aktuellen Zustand des Clusters. Hierbei erhalten wir Informationen, ob es sich um einen belegten, unbelegten oder defekten Cluster handelt. Ein weiterer Knopf gibt die Möglichkeit, die Laufwerksparameter zu ignorieren. Dies kann bei Fremdfomaten oder defekten Disketten nötig sein. Der Knopf "Schreibschutz" wird von Diskus aktiviert, wenn auf ein schreibgeschütztes Laufwerk zugegriffen wird. Hiermit ist es möglich, diesen Schreibschutz aufzuheben. Drei weitere Knöpfe sind nur bei Zugriffen auf ein Diskettenlaufwerke sichtbar. Die Knöpfe "Seite 0" und "Seite 1" erklären sich von selbst. Mit dem Knopf "Position" kann die physikalische Position des Diskettenkopfes in Bezug auf Seite,Spur und Sektor ermittelt werden.
DATEIOPERATIONEN
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Im Pull-down-Menü "Datei" werden uns alle Werkzeuge
zur Bearbeitung einer Datei bereitgestellt. Zu erwähnen ist,
daß es hier die Möglichkeit gibt, eine Datei zu
Eliminieren, also vollständig zu löschen und nicht nur ihren
Direktoryeintrag zu entfernen. Die Funktion "Vertauschen"
ermöglicht es, eine bestimmte Reihenfolge von Dateien
festzulegen. Hierdurch kann auch ein schnellerer Zugriff auf bestimmte
Dateien erreicht werden. Die beste Anwendung hierfür stellt der
Autoordner dar, wo die Dateien nach ihrer Reihenfolge gestartet
werden. Die Manipulation des Programmheaders ist vor allem für
Besitzer eines Rechners mit TT-RAM oder virtuellem RAM interresant, da
hier alle Flags zur Verlagerung des Programms ins TT-RAM erreichbar
sind, aber auch Speicherschutz unter MiNT/MultiTOS und Fast-Load-Flag
können hier eingestellt werden. Die Menüpunkte "Leerer
Eintrag" und "Verketten" sind vorallem für das
Restaurieren von Daten interessant. Läßt sich eine
zerstörte Datei nicht automatisch wiederherstellen, muß
zuerst ein leerer Eintrag, also eine Datei mit 0 Bytes, angelegt
werden. Nun können an diese Datei die dazugehörigen Cluster
angehängt (Verkettet) werden.
DISKETTEN
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Das Pull-Down-Menü "Disk" beschäftigt sich mit
Disketten. Diskus kopiert und formatiert alle bekannten Formate von DD
bis ED. Eigene Spezialformate sind möglich und ein
Schnellade-Format steht auch zur Verfügung. Mit dem Bootsektor
sind allerlei Manipulationen möglich. Es können acht
verschiedene Bootsektoren geschrieben werden, von der Systemdiskette
über die 60Hz Umschaltung bis zum Virenschutz.
BACKUP
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Das Pull-Down-Menü "Harddisk" wollen wir uns ein
wenig näher betrachen. Gleich zu Beginn des Menü stellt
Diskus die wichtigste Funktion zur Verfügung : das Backup.
Hierbei ist das Diskettenformat frei einstellbar und es kann ein
Backup auf beide Diskettenlaufwerke erfolgen, was viel Zeit erspart.
Bei der Backup-Funktion wurde auf maximale Geschwindigkeit geachtet,
weshalb das Backup unkomprimiert erfolgt. Die Schreibgeschwindigkeit
auf die Diskette kann sich sehen lassen: 1MByte/min auf DD Disketten.
Bei der Verwendung von HD- bzw. ED-Disketten steigert sich die
Geschwindigkeit noch einmal. Da die Preise von Wechselplatten immer
weiter sinken, wird es immer interresanter sich Backup-Medien
anzulegen. Hierfür stellt Diskus zwei Menüpunkte zur
Verfügung. Mit der Funktion "Medium kopieren" im
Pull-Down Menü "Spezial" kann ein Partition in
kürzester Zeit auf ein Medium kopiert werden. Sollte es sich bei
der Partition um eine nicht von TOS verwaltete Partition handeln, so
ist der Menüpunkt "Partition kopieren" dafür
geeignet.
EINGEMACHTES
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Nun kommen wir zu den Funktionen mit denen man Manipulationen an
der Festplatte durchführen kann. Zuerst müssen wir die
Voreinstellungen durchgeführen, wo Port und Geräteadresse
festzulegen sind. Nun können die Informationen über die
Platte und deren Partitionen gelesen und notfalls verändert
werden. Aber Vorsicht !!. Solche Manipulationen müßen gut
überlegt sein. Hier hilft der zweite Teil der Anleitung mit
vielen Informationen weiter. Um bei einem zerstörten Rootsektor,
also bei verlorengegangenen Partitionsinformationen, an die Daten der
Partitionen zu gelangen, ermöglicht es Diskus unter Umgehung des
Rootsektors auf die Partitionen zuzugreifen. Hierzu werden in der
Funktion "Partitionen vorgeben" die Partitionsdaten
festgelegt. Der Menüpunkt "Befehl senden"
ermöglicht es dem Insider direkt einen Befehlsblock an die Platte
zu senden. Hierbei gibt Diskus die Möglichkeit die Platte zu
Parken, sowie eine Lesefehlerstatistik vom Festplattenkontroller
anzufordern. Diskus kann einen Lesetest durchführen und defekte
Sektoren der Platte ausblenden. Bei den beiden nächsten Pull-Down
Menüs geht es in die Tiefe der Materie und das Innenleben von
Disketten. Diskus gibt die Möglichkeit Tracks zu erzeugen, zu
interpretieren, zu analysieren und zuguterletzt zu Reparieren. Eine
Stufe tiefer angesiedelt sind die Sektoren. Diese können von
Diskus folgenden Operationen unterzogen werden : Absolut lesen,
Absolut schreiben, laden und speichern.
SPEZIALITÄT - DATENTEST
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Im Pull-Down-Menü "Spezial" befinden sich wirklich
die Spezialitäten von Diskus. Als erstes ist die Funktion
"Daten testen" einer näheren Betrachtung wert. Hierbei
handelt es sich um eine Vorsorgemaßnahme, um einem eventuellen
Datenverlust vorzubeugen, wobei Diskus die Möglichkeit gibt,
erkannte Fehler nicht nur anzuzeigen, sondern automatisch zu
Reparieren. In einer Dialogbox können verschiedene Optionen
eingestellt werden. Hierbei ist das Ganze in vier Funktionsgruppen
untergliedert. Die erste Gruppe bezieht sich auf die Sektoren. Diese
können einem Lesetest oder einem Schreibtest unterzogen werden.
Hierbei werden beim Lesetest alle Sektoren nacheinander probegelesen.
Um keine Daten zu zerstören wird beim Schreibtest zuerst ein
Sektor gelesen und dann versucht diese Daten zu schreiben, danach wird
der Sektor gelesen und mit den alten Daten verglichen. Der Zufallstest
ist nur in Verbindung mit dem Lese- oder Schreibtest wirksam, hier
werden die Sektoren nicht nacheinander bearbeitet, sondern in
zufälliger Reihenfolge getestet. Die nächste Gruppe betrifft
die FAT (File Allocation Table, enthält Angaben zur
Sektorbelegung). Diese kann verglichen und getestet werden. Beim
Vergleichen wird die FAT1 und FAT2 auf Gleichheit überprüft
und wenn gewünscht, aufeinander angeglichen. Beim Testen der FAT
können nur plausible Fehler erkannt werden, die die Belegung und
Verknüpfung der Cluster betreffen. Bei Diskus gibt auch die
Möglichkeit Dateien zu Testen. Hierbei werden die von Dateien
belegten Sektoren überprüft. Dies kann über alle
Dateien, über einzelene Dateien oder über eine Liste von
Dateien erfolgen. Zuguterletzt ist es möglich, die Verzeichnisse
und die Ordnerstruktur auf Fehler zu durchforsten.
SPEZIALITÄT - DATENRETTUNG
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Sollte einmal der grauenhafte Fall eingetreten sein, daß
Daten zerstört wurden, dann läßt einem Diskus nicht
allein, sondern stellt eine Funktion zur Rettung von Daten zur
Verfügung. Hier ist es möglich, Dateien und Directories zu
restaurieren , FAT-Prototypen zu erzeugen, Sektoren zurückzuholen
und zuguterletzt den Rootsektor zu rekonstuieren. Die Rettung ist
leider von vielen Faktoren abhängig. Wenn die Zerstörung zu
groß ist stehen Diskus manchmal nicht mehr genügend
Informationen zur Rekonstruktion zur Verfügung. Aber es hat sich
gezeigt, das Diskus in den meisten Fällen helfen kann.
SPEZIALITÄT - BESCHLEUNIGER
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Wenn man viel mit einer Festplatte arbeitet und ständig
Dateien verändert, dann kommt es zu einer Fragmentierung, d.h.
das die Daten einer Datei auf der Platte nicht nacheinander angeordnet
sind, sondern verstreut auf der Platte stehen. Ein kleines Beispiel:
Wir legen eine Textdatei mit dem Namen Brief1.DOC an. Nun schreiben
wir einen zweiten Text mit dem Namen Breif2.DOC. Hiernach erweitern
wir die Datei Brief1.DOC. Wenn wir uns die Platte ansehen, finden wir
drei Datenblöcke in folgender Reihenfolge >Brief1
Teil1<>Brief2<>Brief1 Teil2< . Nach längerem
arbeiten mit einer Partition kann es vorkommen, daß eine Datei
in viele Teile zerstückelt ist und die Festplatte mehrer
Anläufe benötigt, um die vollständige Datei zu lesen.
Diskus gibt nun die Möglichkeit, eine solche Fragmentierung zu
analysieren und das Medium zu optimieren. Ab einer Fragmentierung von
20% lohnt sich eine Optimierung der Daten-Cluster. Bei der Optimierung
bietet Diskus noch einige Möglichkeiten. Die erste Option bezieht
sich auf die Sortierung der Dateien. Hier ist es möglich, die
Priorität der Extentions anzugeben und Ordner an den Anfang des
Verzeichnises zu setzen. Diese Sortierung kann auf das ganze
Hauptverzeichnis angewendet oder auf Ordner beschränkt werden.
Hierbei ist es sinnvoll, daß Diskus die Möglichkeit bietet,
den Autoordner aus der Sortierung auszuschließen. Mit der Option
"Verzeichnisse" löscht Diskus aus dem Verzeichnis die
Einträge der gelöschten Dateien und paßt die Ordner
der neuen Größe an. Die drei Optionen
"Defragmentierung, langsam", "Defragmentierung,
schnell" und "Stromausfall" beziehen sich auf die
Datensicherheit während des Optimiervorgangs. Da es bei einem
Stromausfall zu ernsthaften Schäden an den Datenbeständen
kommen kann, wurde der Optimierungsvorgang so programmiert, daß
es im Notfall zu keinem großen Datenverlust kommt. Dies ist aber
nur durch Geschwindigkeitseinbußen zu erreichen, weshalb es
jedem selbst überlassen bleibt, welche Option er wählt. Die
restlichen Funktionen des Menü "Spezial" behandeln noch
die einstellbaren Parameter für die Diskettenlaufwerke, den
Drucker und andere Systemeinstellungen.
FAZIT
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Zusammenfassend ist zu sagen, daß man mit Diskus ein
mächtiges und universelles Tool für Datenträger
erhält. Das umfangreiche Handbuch mit vielen Erklärungen
gibt einen guten Einblick in die Thematik und das mitgelieferte
Festplattentreiberpaket rundet das Ganze ab. Der Treiber ist XHDI
kompatibel und unterstützt alle Festplatten an der ACSI-,
SCSI-Schnittstelle sowie IDE-Platten und läuft somit auf allen
ST- und TT-Rechnern und auf dem Falcon. Aber um es nochmal zu sagen:
man kann viele Restaurieren, aber vorbeugen ist besser als heilen. Wir
sollten also mit den Funktionen "Backup" und "Daten
testen" einem Datenverlust vorbeugen. Trotz es viel Zeit
benötigt, nichts kann ein Backup ersetzt. Wechselplattenbesitzern
ermöglicht Diskus sogar ein schnelles Backup über die
Funktion "Medium kopieren". Leider ist klar geworden,
daß Datensicherheit Zeit kostet. Erstmal in Bezug auf das Backup
und zweitens in Bezug auf die Materie in die man sich einarbeiten
muß, um alles zu verstehen. Eine gewisse Einarbeitungszeit ist
unumgänglich, das Diskus-Handbuch hilft einem dabei sehr und
ersetzt so manches Buch. Jeder sei nur davor gewarnt, sich erst dann
mit einem solchen Programm zu beschäftigen, wenn das Kind in den
Brunnen gefallen ist. Es geht 100%ig schief, wenn man sich schnell das
Programm kauft, das Handbuch überfliegt und dann erwartet seine
Daten retten zu können. Kein Programm kann vollautomatisch alle
Probleme lösen, einige Fehler können vom Programm selbst
gelöst werden, aber bei einigen Problemen muß der Anwender
selbst "Hand anlegen". Aber die ganze Arbeit lohnt sich.
Eine optimierte Platte ist viel schneller und die Gewissheit auch bei
Problemen von seinen Daten ein Backup zu haben oder im Notfall seine
Daten retten zu können, ist viel wert.
BEZUGSQUELLE
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